Integrierte VersorgungDer Begriff "Integrierte Versorgung (IGV)" steht für Vernetzung zwischen den einzelnen medizinischen Versorgungssektoren. Das bedeutet zum Beispiel: Niedergelassene Haus- oder Fachärzte arbeiten gemeinsam mit stationären Einrichtungen, kooperieren bei der Behandlung ihrer Patienten und teilen sich gegebenenfalls ein gemeinsames Budget. Integrierte Versorgung ist eine Form der medizinischen Versorgung, die bislang keine große Rolle im deutschen Gesundheitswesen gespielt hat. Bisher sind im deutschen Gesundheitswesen ambulante (Arztpraxis) und stationäre (Krankenhaus) Versorgung voneinander getrennt. Das betrifft zum Beispiel Zuständigkeiten, Verantwortung und auch die Bezahlung. |
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In der Vergangenheit scheiterten die Verhandlungen zur Integrierten Versorgung zwischen Kassen, Ärzten und Krankenhäusern immer wieder an der Finanzierungsfrage. Da es kein gesondertes Budget für solche Verträge gab, war unklar, aus welchem Topf - Krankenhaus-Budget oder Ärzte-Vergütung - wieviel Geld abgezweigt werden sollte. Das Gesetz zur Modernisierung der gesetzlichen Krankenversicherung (GMG), das am 1. Januar 2004 in Kraft trat, hat neue Verträge mit Integrierter Versorgung vorangetrieben. Bis zu ein Prozent der jährlichen ärztlichen Vergütungen (rund 220 Millionen Euro) und ein Prozent aus dem Krankenhaustopf (rund 460 Millionen Euro) werden speziell für die Integrierte Versorgung bereit gestellt. Die Anschubfinanzierung wurde inzwischen mit dem Vertragsarztrechtsänderungsgesetz (VÄndG) bis Ende 2008 verlängert.
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Die IGV-Netze
Die zu betreuenden Netze sind regional begrenzt und beziehen sich jeweils auf klar definierte Indikatoren. Im Einzelnen handelt es sich um die folgenden Netze (Stand: Juli 2006):
- Kardiologische Versorgung Essen
- Gefäßmedizin Krefeld
- Hernienchirurgie Köln

- Prostata-CA Mönchengladbach, Neuss, Leverkusen
- Osteoporose Aachen
- ATZ Essen (Kostencontrolling)
- Schlaganfall Krefeld
- Darmzentrum Duisburg-Süd
- Depressionen Aachen
- Diabetischer Fuß Düsseldorf
- Diabetischer Fuß Köln/Leverkusen
- Ovarial-CA Bonn, Düsseldorf, Krefeld, Leverkusen
- Wundmanagement Essen Nord-Süd
- Wundmanagement Essen Ost-Mitte
- Multiple Sklerose Rheinland
- Endoprothetik Eifel-Erft
- Suchtkranke Bonn
- Prostata-CA Rhein-Ruhr
- Prostata-CA Köln
- Schlaganfall Köln
- Schlaganfall Bonn-Rhein-Sieg
- Kopfschmerzen Essen
- weitere Netze in Planung
Zahlreiche der genannten Netze sollen, soweit möglich, mit einer Kontrollgruppe der Regelversorgung verglichen werden, um ihre Effizienz feststellen zu können. Zur Erzeugung von medizinisch homogenen Vergleichsgruppen ist es erforderlich, jedem eingeschriebenen Patienten einen Patienten der Regelversorgung mit vergleichbarer Morbidität zuzuordnen.
Qualitäts- und Kostenziele
Folgende Schwerpunkte wurden für die Qualitätsziele in der IGV Rheinland gesetzt:
- Strukturqualität:
Aspekte, unter denen ärztliche Tätigkeit stattfindet (Rahmenbedingungen, politische und ökonomische Faktoren, technische Ausstattung einer Praxis, Fähigkeiten des Praxispersonals, Genauigkeit der Datendokumentation, Ausbildungsstand des Arztes) - Prozessqualität:
Aussagen über medizinische Aktivitäten unter Einbeziehung der interpersonellen und interaktionalen Aspekte (Art und Weise der sektorübergreifenden Zusammenarbeit der Leistungserbringer) - Ergebnisqualität:
Erwartete Veränderung des Gesundheitszustands eines Patienten bzw. einer Bevölkerungsgruppe als Ergebnis bestimmbarer therapeutischer oder diagnostischer Maßnahmen/Interventionen in den Versorgungsabläufen
Bei der Festlegung der Kostenziele wurde nicht der Verursacher sondern der Akteur, der die finanziellen Aufwendungen zu tragen hat, in den Mittelpunkt gestellt. Folgende Schwerpunkte wurden festgelegt:
- behandlungsbezogene Kosten:
Alle Aufwendungen, die im Rahmen der Behandlung eines Patienten über die Krankenkassen beglichen werden. - patientenbezogene Kosten:
Alle Aufwendungen, die der Patient/Versicherte zusätzlich zu den erstatteten Kosten im Zusammenhang mit seiner Erkrankung aufzubringen hat. - arbeitgeberbezogene Kosten:
Alle Aufwendungen, die dem Arbeitgeber/dem Selbständigen durch die Erkrankung zusätzlich zu den Versicherungsleistungen entstehen.
Aufgaben von MNC
- Weiterentwicklung des Evaluations-/Controllingkonzeptes
- Auswertung der im jeweiligen Netz definierten qualitativen und quantitativen Ziele sowie Erstellung der zu diesem Zweck erforderlichen Abfragen und Auswertungsprogramme in der Weiterentwicklung
- weitere Auswertungen auf Anforderung der Auftraggeber
- regelmäßige und fristgerechte Aufbereitung und Lieferung der Berichte (quartalsweise)
- Abordnung eines Mitarbeiters zwecks IT-Koordination
Alle erhobenen Qualitätsdaten (von den Patienten auszufüllende Fragebögen), Kosten und Leistungsdaten (Abrechnungsdaten nach SGB 5) der in den jeweiligen Netzen eingeschriebenen Patienten münden in einem Evaluationsbericht, in dem die Zielerreichung anhand von Tabellen und Grafiken transparent gemacht wird.
Haben Sie Fragen zur Integrierten Versorgung? Kontaktieren Sie uns über unser Kontakt-Formular oder rufen Sie uns an!
- Projektleitung: Dr. Christof Münscher
- Autoren: Dr. Christof Münscher, Alexandra Weber
- Programmierung: Alexandra Weber, Wolfgang Weber


